Tickerkarte – Polizeimeldungen und amtliche Kriminalstatistik auf einer Karte

Hallo zusammen,

ich möchte hier ein unabhängiges, werbefreies Datenprojekt vorstellen, das amtliche offene Daten mit öffentlich zugänglichen Pressemeldungen verbindet:

Was es macht

Pressemeldungen der Polizeibehörden werden automatisiert eingelesen, in einzelne Vorfälle zerlegt, kategorisiert, verortet und auf einer Karte dargestellt. Jeder Eintrag verlinkt seine Originalmeldung. Derzeit sind es rund 82.600 Vorfälle aus 366 Orten in allen 16 Bundesländern (300 Quellen: Presseportal-Newsrooms, Landesportale, Bundespolizei), davon 54 % straßengenau verortet. Jede Stadt-, Stadtteil- und Themenseite gibt es auch als RSS-Feed, dazu ein Widget zum Einbetten. Seit heute gibt es außerdem eine offene Schnittstelle (JSON/GeoJSON/CSV, auch per Wikidata-QID abfragbar) und monatliche CSV/GeoJSON-Exporte unter CC BY-NC 4.0, Zählungen unter CC BY 4.0 (Menüpunkt „Daten“ auf der Seite).

Welche offenen Daten dabei genutzt werden

Als zuschaltbare Vergleichsebenen, bewusst getrennt von den Meldungen, weil beides nicht miteinander verrechenbar ist:

  • Unfallatlas der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder: 797.000 Straßenverkehrsunfälle mit Personenschaden, 2018–2025, punktgenau (Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – 2.0)
  • Polizeiliche Kriminalstatistik des BKA: Fälle und Häufigkeitszahlen für 401 Kreise und 84 Städte, 2021–2025
  • Kriminalitätsatlas der Polizei Berlin: 169 Bezirksregionen ab 2016 (Datenregister Berlin)
  • PKS-Stadtteilatlas der Polizei Hamburg: 104 Stadtteile
  • Kleinräumige Straftaten-Statistik der Stadt Leipzig: 63 Ortsteile
  • Verwaltungsgrenzen VG250 des BKG, Warnmeldungen des BBK (NINA)

Kartengrundlage ist OpenStreetMap über OpenFreeMap; die Straßen-Verortung läuft über einen eigenen Index aus OSM-Daten in PostGIS.

Was mich an der Datenlage beschäftigt

Die Aufbereitung der Meldungen ist der mühsame Teil: Jedes Bundesland veröffentlicht anders, mal als RSS, mal als HTML-Sammelmeldung mit mehreren Vorfällen in einem Dokument, mal nur als PDF. Presseportal gibt über Feed und Abo nur 300-Zeichen-Anrisse heraus. Der Hamburger Stadtteilatlas liegt ausschließlich als PDF vor. Einheitliche, maschinenlesbare Schnittstellen für Polizeimeldungen gibt es nicht.

Über Hinweise auf weitere amtliche Kriminalstatistiken unterhalb der Kreisebene würde ich mich freuen – bisher habe ich nur Berlin, Hamburg und Leipzig gefunden.

Einordnung

Das Projekt steht in keiner Verbindung zu einer Polizei oder Behörde. Es ist ausdrücklich keine Kriminalitätsstatistik: Gezeigt wird, was die Pressestellen veröffentlichen, und das ist ein kleiner, ungleich verteilter Ausschnitt. Wie die Karte entsteht und was sie nicht ist, steht auf der Methodikseite, der Datenschutzhinweis daneben im Menü:

Viele Grüße
Mathias

4 „Gefällt mir“

Cooles Projekt. Bisher bin ich bei unserer Landespolizei daran gescheitert, die Meldungen in einem offeneren Format als über presseportal.de veröffentlichen zu lassen.

Was ich noch nicht verstanden habe ist die Erkennung der Orte bei der Tickerkarte. In Schleswig-Holstein werden offenbar nur Kiel und Lübeck erkannt. In den Meldungen tauchen aber zahlreiche weitere Orte auf. Hier z.B. in dieser Meldung: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/52209/6370773 wird Fedderingen (http://dcat-ap.de/def/politicalGeocoding/municipalityKey/01051030 bzw. https://www.openstreetmap.org/relation/952359) erwähnt. Könntest du diese kleineren Orte auch noch auswerten?

Vielen Dank, Jesper, für das freundliche Feedback und den genauen Blick! Und danke auch für den Versuch bei eurer Landespolizei, das wäre für alle ein Gewinn gewesen.

Du hast recht, und das ist eine gute Frage. Eine eigene Ortsseite bekommt ein Ort bei uns erst, wenn genug Meldungen zusammenkommen. Meldungen aus kleineren Gemeinden wie Fedderingen landen bis dahin in einem Puffer, mit Ortsname, Datum und Text. Aus Schleswig-Holstein liegen dort im Moment 283 Meldungen aus zehn Dienststellen.

Für Schleswig-Holstein ist dieser Schritt noch nicht gemacht, für Sachsen, Brandenburg oder den Kreis Coesfeld schon. Dein Beitrag ist ein schöner Anstoß, das als Nächstes anzugehen. Dabei nehme ich mir den Gemeindeschlüssel als Anker, so wie du ihn verlinkt hast, dann landet Fedderingen auch sicher in Dithmarschen und nicht bei einem gleichnamigen Ort anderswo.

Ich melde mich hier, sobald die Orte da sind. Danke dir!

2 „Gefällt mir“